Stephan Kölliker schreibt bei seinen Ausführungen zur Flugschau in Emmen: «Man muss den Standpunkt gut gewählt haben.» und fügt hinzu: «nein, nicht den offiziellen Medienstandort, da wären diese Aufnahmen nicht möglich gewesen ».
Dies ist ein Buch des Handwerks, der Werkzeuge und ihrer Anwendung. Aber Werkzeuge und ihre Anwendungen sind aktuelle Zeugnisse eines langen Wachstums- und Lernprozesses. Erinnert sich noch jemand an die tiefe Konzentration der Porträtierten Daguerres, an die technisch erzwungene Einsamkeit Atgets? An die rasenden Triumphe der Kleinbild- Reportagekameras, die in der Lage waren, einen spanischen Soldaten abzubilden in dem Moment, in dem ihn eine Kugel trifft? Es war immer die Technik und dieses mehr, dass die Fotografen aus ihr machten - die Technik stellte sich dem Denken zur Verfügung. Vom ersten Wunder der belichteten Platte vor bald zweihundert Jahren über das Verkleinern der Formate über das Beschleunigen der Bilder sind wir heute, nicht zuletzt auch wegen der anspruchlosesten Anwendungen, die das Internet nurmehr will, bei einem libertinen anything goes angelangt.
Wirklich? Technisch schon, da wird es auch immer so weiter gehen. Aber der Fotograf, der }ändern. Der Mensch bewertet und wählt aus, seine Biographie, seine Emotionen, seine Gedanken, die Sorgen und die Freuden, die Sehnsüchte schließlich bestimmen das, was er tut, lenkt wohin er geht. Und so ist es natürlich auch beim Fotografen: „Man muss den Standort gut gewählt haben«. Was heißt denn das?
Nun, an diesem regnerischen Schweizer Tag stand so mancher an der Startbahn und hat die Flugzeuge passiv aufgenommen, gerade wie sie sich ihm boten, vorbeizischten. Aufnahmen, die im Orkus der Unaufmerksamkeit oder der Penibilität von Sammelwütigen sich aushauchen. Andere standen an dem Medienstandort, der für die geschaffen wurde, die im Grunde nur das eine treffende Foto für ihre jeweilige Schlagzeile brauchen. Und dann der eine, der losklettert, der einen Standpunkt sucht, einen bestimmten. Bevor er den Apparat in die Tasche gesteckt hat, hat er überlegt, empfunden, gerätselt. Hat sich gefragt, was er mit den Flugzeugen erreichen will, was die Flugzeuge bedeuten, die nationale Mischung aus zivil und militärisch, die Freude der Piloten an der Ästhetik ihres Fluges, die Majestät eines Airbus, in den wir sonst nur gedankenlos einsteigen. Man merkt es schon, Majestät, Ästhetik, das sind Konnotationen, die sich nicht bei Knipsenden finden.
Und so führt allein diese kleine Beobachtung auf das Wichtigste in der Fotografie zurück: den Fotografen. Er ist ein denkendes Wesen in all seiner Besonderheit, so wie wir Menschen eben sind. Es ist diese Besonderheit, die ihren Ausdruck sucht, und an dieser Besonderheit messen sich die Bilder des Fotografen (ich will Glück und Zufall nicht vergessen, aber selbst die bieten sich nicht jedem), mißt sich, ob ein Bild Bestand hat oder ob es gar bedeutend wird.
Stephan Kölliker hat seine große technische Erfahrung, die Akribie, die ihm in allem zueigen ist, mit seiner Spiritualität, und einer «praktischen» Menschlichkeit, die er auf seinen vielen Reisen erworben hat, gemischt und daraus eine fundierte, sehr anschauliche technische Anleitung, besser, einen Leitfaden gemacht, der nie unterschlägt, wer im Zentrum steht: der Mensch und sein Werkzeug. Maintenant c’est à Vous! Dr. Joachim Blüher Rom, am 28.7.2010 |